Ein ganz normales Leben!

Am Montagmorgen 06:00 Uhr klingelt der Wecker. Meine Frau Eileen ist schon wach um das Frühstück vorzubereiten. Lukas und Celine, unsere Kinder, setzen sich an den gedeckten Tisch und sind genauso motiviert wie ich, dass die Woche wieder beginnt. Ich gebe meiner Frau einen Kuss, mache mich auf den Weg zur Arbeit und setze die Kinder vorher an der Schule ab. Um 07:30 Uhr trinke ich mit meinen Kollegen noch einen Kaffee. Dann machen wir uns mit unserem Müllwagen auf den Weg in die Oststadt um gelbe Säcke einzusammeln.
Wir blockieren zwar teilweise den Verkehr, aber das Hupen der in Eile geratenen Berufspendler interessiert uns nicht weiter, da uns das jeden Tag so geht. Ich denke mir, dass auch sie sich keine Müllberge vor ihrem Haus wünschen. Um 10:00 Uhr machen wir die erste Pause. Meine Kollegen Fritz und Walter erzählen von ihrem Wochenende und dass sie zusammen einen Trinken waren sowie sich danach im Bordell vergnügt haben. Ich denke mir nicht viel dabei, da beide keine Partnerschaft haben. Welch ein trauriges Lebens muss das doch sein. Aber dann denke ich mir, dass ich eigentlich kein erfülltes Sexleben habe. Jedoch ist regelmäßiger schlechter Sex mit meiner Frau besser als nur gelegentlich Sex im Bordell. Nach weiteren gefühlten 5.000 eingesammelten Müllsäcken ist endlich Mittagspause. Heute gibt es Döner, welch ein günstiger Genuss. Und wieder geht es auf Tour. Gegen 15:30 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Mülldeponie und sehen dem Feierabend entgegen. Um kurz nach vier Uhr mache ich mich auf den Weg nach Hause und freue mich auf meine Familie. Und dann wieder mal ein Stau. Aber so ist das halt. Dann habe ich wenigstens noch etwas Zeit zum Musik hören.
Vor dem Abendessen wollen wir noch unseren Sommerurlaub im Internet buchen. Da ich Alleinverdiener bin, können wir nicht den absoluten Traumurlaub verbringen. Dennoch reicht es für zwei Wochen Mallorca in den kommenden Sommerferien. In Cala Rajada gefällt es uns sehr gut. Es sind zwar immer viele Touristen anwesend, aber das stört uns nicht da wir eine lebendige Familie sind. Nach der erfolgreichen Buchung gibt es Abendessen. Kartoffelbrei, Möhren und Fischstäbchen. Darauf stehen meine Kinder. Für mich gibt es dazu ein Bier, obwohl Eileen immer sagt, dass dies ungesund sein. Man lebt halt nur einmal! Nach „Wer wird Millionär“ wird es Zeit ins Bett zu gehen. Ich denke mir, es wäre mal wieder schön Sex zu haben. Aber Eileen will vorher erst eine Massage. Nach dem Akt will sie noch kuscheln, aber ich habe keine Lust mehr da ich müde bin. Sie beschwert sich mit den Worten „immer nur rein, raus, fertig aus“ und dreht sich um.
Am nächsten Tag regnet und stürmt es heftig, aber das Wetter macht mir nicht mehr so viel aus. Ich bin generell froh an der frischen Luft und körperlich zu arbeiten. Dadurch erspare ich mir nicht nur das Fitnessstudio sondern auch regelmäßige Arztbesuche. Die Mittagspause verbringe ich heute alleine mit meinem Brot und meiner lokalen Zeitung. Die internationalen Seiten und die Politik überspringe ich, da dies mein Leben nicht betrifft. Jetzt weiß ich immerhin, dass ein neuer Film im Kino läuft, in den ich noch diese Woche mit Eileen gehen möchte. Weiterhin steht in der Zeitung, dass es einen Vortrag für Menschen mit Glutenunverträglichkeit gibt. Welch ein Blödsinn, denke ich mir. Die Leute sind in dieser Hinsicht heutzutage einfach zu empfindlich. Nach Feierabend kaufe ich gleich Karten um sie zu überraschen und dass sie mir wegen letzter Nacht nicht mehr böse ist. Ich habe vergessen, dass heute Abend Elternabend ist. Da ich Lehrer, aufgrund meiner eigenen Schulzeit, nicht sonderlich mag, verspreche ich mir nicht viel von dem Abend. Und so war es dann auch. Lukas mit sehr guten Leistung und Celine das Sorgenkind.
Endlich Wochenende, dem Besuch des Heimspiels des SC Freiburg mit meinen Freunden steht nichts mehr im Weg. Wir genießen die gute Stimmung im Stadion, trinken einige Biere und hoffen, dass dem SC diese Saison wieder der Aufstieg in die erste Liga gelingt. Nach dem Spiel gehen wir in unsere Stammkneippe und sprechen über den Ausgang der anderen Fußballspiele. Als ich nach Hause komme ist Eileen sauer, weil ich wieder mal zu spät und mit einem zu hohen Alkoholpegel auftauche. Am Sonntag heißt es dann erst mal ausschlafen und spätes Frühstück. Da Familientag ist gehen wir in den Tierpark und essen anschließend im Restaurant Sonne ein großes Schnitzel mit Pommes, weil hier heute Schnitzeltag ist. Abends müssen die Kinder noch für bevorstehende Klassenarbeiten lernen und ich schaue mit Eileen den Tatort aus München…